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CHICO BUARQUE - Ich liebe dich
DIMITRIS CHRISTODOULOU - Kummer
BRUCE COCKBURN - Komm nach Süden
PHIL COULTER - Sieh das Kind
LUBA DVORAK - November in Prag
MANOS ELEFTHERIOU - Acht Uhr Zug
ODYSSEAS ELYTIS - Marina
MAX FADEJEW - Moskau
VICENTE FELIÚ - Die Liebe meiner Hände
ALEJANDRO FILIO - Ein Preis
MICHAEL FRIEDMAN - Ich wußte nie, was hatt´ mich so zerstört
LEÓN GIECO - Das Gedächtnis
BORIS GREBENSCHIKOW - Das schnellste Flugzeug
ARMEN GRIGORJAN - Kleines Mädchen
JAKOBOS KAMBANELLIS - Mach das Bett für zwei
DIONISIS KARATZAS - Wasserbäume
CIRCE MAIA - Eine andere Stimme
ANDREJ MAKAREWITSCH - Vergeben
JOHAN MEIJER - Im Innern scheint das Licht
PABLO MILANÉS - Der sein, der dich liebte
OLEG MITJAJEW - Allerliebstes Menschenkind
KONSTANTIN NIKOLSKI - Der Geiger
JAROMíR NOHAVICA - Leicht verschrammt
BULAT OKUDSHAWA - Ein Vorschlag
FITO PÁEZ - … und biete dir mein Herz
SILVIO RODRÍGUEZ - Der Sture
GUSTAVO SANTAOLALLA - Der Kaktus
JURI SCHEWTSCHUK - Schneesturm
JORGOS SEFERIS - Verweigerung
ISMAEL SERRANO - Ohne dich an der Hand
JANNIS THEODORAKIS - Schöne Stadt
MIKIS THEODORAKIS - Dunkelrot der Rosenstrauch
TRADITIONELL - Nicht mit dir, noch ohne dich
SUZANNE VEGA - Toms Imbiß
DANIEL VIGLIETTI - Anaclara
FRANCISCO VILLA - Trotzig
WLADIMIR WYSSOZKI - Lyrisches Lied
WIKTOR ZOJ - Schließ hinter mir ab

Den Nachdichtungen liegen Interlinearübersetzungen zugrunde.
Herzlichen Dank an Olga Albrecht, Marion Gerber, Dirk Heiland,
Vera Kempe, Ina & Asteris Koutoulas, Martina Kraft, Magdalena
Krause, Thomas Leinhos, Susanne Probst und Sylvia Viehweg.

 



ICH LIEBE DICH
nach Chico Buarque


Wenn wir uns nicht dem Zeitgeschmack ergeben
Und längst in eignen Wirklichkeiten leben
Dann sag mir nur, wie soll ich von dir gehn

Wenn schon, als ich dich traf, die kühnsten Träume
Realer warn als alle Lebensräume
Dann sag mir nur, wohin kann ich noch gehn

Wenn unsre Beine sich in eins umschlangen
In jeder Nacht von maßlosem Verlangen
Dann sag mir nur, womit soll ich nun gehn

Wenn du das Glück verwandeln mußt in Schmerzen
Und wenn das Tohuwabohu in deinem Herzen
Mein Blut verwirrt und bringt es fast zum Stehn

Wenn meine Jackenärmel wie ein Streicheln
Im Kleiderschrank dein Sommerkleid umschmeicheln
Und meine Schuhe noch auf deinen stehn

Wenn meine Hände deinen Leib berühren
Und wir uns noch wie ungläubig verführen
Dann sag mir nur, wie kann ich von dir gehn

Ich glaub, du willst die Wahrheit gar nicht wissen
Ich liebe dich noch in den Kümmernissen
Jetzt sag mir nur, wie soll ich von dir gehn

(2002)



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KUMMER
nach Dimitris Christodoulou


Das Meer ist groß und weit der Strand
Die Welle wie ein Vogelflug
Der Kummer wie ein breites Band
Die Schande ist ein bittrer Zug

In mir gerinnt ein bittrer Fluß
Aus deiner Wunde jungem Blut
Nur bittrer noch ist mir dein Kuß
Der meinen Lippen war so gut

Du weißt nicht, wie die Kälte brennt
Noch wie die Nacht geht ohne Mond
Daß man den Tag nicht sicher kennt
Wo uns der Schmerz nicht mehr verschont

In mir gerinnt ein bittrer Fluß
Aus deiner Wunde jungem Blut
Nur bittrer noch ist mir dein Kuß
Der meinen Lippen war so gut

(2002)



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KOMM NACH SÜDEN
nach Bruce Cockburn


Wenn die wilden Hunde Tag um Tag
Nach deinen Fersen giern
Wenn so viel auf dich hereinstürzt
Und du kannst nichts arrangiern
Wenn ein Dieb dir Geld und Kleid nimmt
Und du wirklich nichts mehr hast
Wenn du trotz der Dornen immer
Wieder nach den Rosen faßt
Komm nach Süden in mein Herz
Wo die Nacht den Wind verführt
Dann komm
Ruh dich aus in mir

Wenn Gedanken, die du fortschickst
Sich aus jedem Dunkel schäln
Wenn ein Feuer in dir brennt und
Du willst nur den Notruf wähln
Wenn Erfahrung, die du lieber
Missen möchtest, dich bedrängt
Wenn die Sonne wie ein Feind strahlt
Und dir schon das Haar versengt
Komm nach Süden in mein Herz
Wo ein Gotteskind spaziert
Dann komm
Ruh dich aus in mir

Wenn ein Priester Gott verrät und
Will die Gottlosen bekehrn
Wenn die Freunde, statt zu helfen
Dich nur immerzu belehrn
Wenn der Alptraum dich verfolgt
Und vor dir tanzt die Höllenbrut
Wenn die ganze Welt ein Spiel ist
Bis auf den Geschmack von Blut
Komm nach Süden in mein Herz
Wo das Maß nicht existiert
Dann komm
Ruh dich aus in mir

Komm nach Süden in mein Herz
Wo die Freiheit triumphiert
Dann komm
Ruh dich aus in mir

(2000)



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SIEH DAS KIND
nach Phil Coulter


Sieh das Kind
Mit den goldnen Haarn und mit dem Blick
Aus dem die Leere spricht
Können wir
Denn verstehen, was es fühlt
Vielleicht versuchen wir es nicht

Sieh das Kind
Wie es einsam steht, wenn grad das Spiel
Der anderen beginnt
Schwaches Kind
Es sieht fast wie alle aus
Und ist doch nicht wie andre sind

Sieh das Kind
Es erkennt nicht das Gesicht
Und hat es gestern noch geliebt
Das Gesicht
Einer Mutter, die nicht glaubt
An eine Schuld, die es nicht gibt

Sie das Kind
Als es in ihr wuchs, hat sie so oft
Vor lauter Glück geweint
Aber heut
Helfen Tränen kaum, wenn alles
Wie ein Hindernis erscheint

Sieh das Kind
Wie es in die Zukunft taumelt
Zwischen Hoffnung und Verzicht
Es wird dich
Nicht um dein Erbarmen bitten
So verweigre es ihm nicht

(2000)



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NOVEMBER IN PRAG
nach Luba Dvorak


Gefrorene Straßen
Im Diesseits der Welt
Als ob sich nichts regt
Nur die Seelen der Nacht
Dein Atem, wie Feuer
Verbrennt mir die Haut
Ein banges Gefühl
Hat den Tag überdacht

Du schläfst wie ein Kind
Und die Welt tobt sich aus
Ich schließ meine Augen
Und werd’ doch erkannt
Entfernt schlendern Paare
Entfernt trifft ein Schlag
Die Lichter der Straßen
Sind runtergebrannt

Verlieben ist leicht
Wie ein Sturz mit dem Rad
Die Liebe ist schwer
Wie ein Traum, der entflieht
Es gibt einen Weg
Für uns beide – vielleicht
Wenn nicht, vorsichtshalber
Schrieb ich dir dies Lied

(2004)



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ACHT UHR ZUG
nach Manos Eleftheriou


Um acht Uhr abends fährt der Zug
Nach Katerini geht die Reise
Nichts bleibt in altgewohnter Weise
Denk nicht um acht Uhr an den Zug
Denk nicht um acht Uhr an den Zug
Nach Katerini geht die Reise
Nichts bleibt in altgewohnter Weise

Ich hab dich unverhofft gesehn
Bei einem Glas in der Taverne
Es wird nicht Nacht in weiter Ferne
Laß dein Geheimnis nicht verwehn
Laß dein Geheimnis nicht verwehn
Vergiß nicht, die es teilten gerne
Es wird nicht Nacht in weiter Ferne

Um acht Uhr abends fährt der Zug
Du aber bist allein geblieben
Mußt Posten stehn, mußt Wache schieben
Von fünf bis acht im Nebelflug
Von fünf bis acht im Nebelflug
Ein Messer wächst, ins Herz getrieben
Mußt Posten stehn, mußt Wache schieben

(2003)



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MARINA
nach Odysseas Elytis


Gib mir von Minze und Melisse
Zum Rausch gib mir Basilikum
Daß ich dich so mit diesen küsse
Und mich erinnre wiederum

Vielleicht an Tauben in dem Garten
Ans Schwert des Engels, der mich rief
An Orte, wo die Sterne warten
Und an den Brunnen klaftertief

Ich führte dich zur andren Seite
Des Himmelszeltes Nacht um Nacht
Und sah dich steigen in die Weite
Wie Wandelsterne voller Pracht

Marina, grüner Stern am Himmel
Marina, Licht der Zärtlichkeit
Marina, meine weiße Taube
Du Lilie meiner Sommerzeit

(2004)



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MOSKAU
nach Max Fadejew


Im Traum erscheint die gigantische Welt
Und leichthin sind all unsre Fragen
Die wir mit uns tragen
Im Zigarettenrauch zerrieben
Doch kommt ein Traum nicht im Jahresverlauf
Wie Frühling, in dem wir uns schworen
Wir wärn nur geboren
Um uns für alle Zeit zu lieben

Nein, ich glaube, so wird es nicht sein
Und jeder von uns schwimmt allein
Mit unsichren Zügen, mit sanften Lügen

Moskau traut nicht den Tränen
Doch das muß man kaum erwähnen
Moskau traut nicht den Tränen
Ich kann schon das Ufer sehen

Und gehn den Weg, der nach nirgendwo führt
Gestorben schon längst, doch im Wissen
Die Welt zu vermissen
Und jene, die dich niemals lieben
Und ich, ich wollte nur stark sein und doch
Hab ich mich vielleicht nur belogen
Und übel verbogen
Und bin nicht, der ich war, geblieben

Nein, ich glaube, so wird es nicht sein
Und jeder von uns schwimmt allein
Mit unsichren Zügen, mit sanften Lügen

Moskau traut nicht den Tränen
Doch das muß man kaum erwähnen
Moskau traut nicht den Tränen
Ich kann schon das Ufer sehen

(2006)


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DIE LIEBE MEINER HÄNDE
nach Vicente Feliú


Die Liebe meiner Hände weint
Die Tränen
Wie eine Gitarre
Die Liebe meiner Hände singt
Die Lieder
Wie ein Regenbogen
In meinen Händen tragen Hände
Mehr als hunderttausend Schwalben
In Nestern wie aus Pulver
Die zerfallen, wenn sie gehen
Die Liebe meiner Hände ruft
Am Tag, zur Nacht, durch alle Zeit
Durch all die müde Dämmrung
Dieser kurzen Ewigkeit
Die Liebe meiner Hände schenkt
Die Liebe

(1997)



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EIN PREIS
nach Alejandro Filio


Wann fingen die Dinge an, Preise zu haben
Vielleicht als dem Dummkopf der Spiegel zersprang
Und als die zerstörende Kälte daneben
Ein schutzloses anderes Leben verschlang

Vielleicht auch als Eva vor Hunger erblaßte
Und als mit der Schlange die Prüfung begann
Und der Preis, den sie zahlte
Ist der Preis, den wir zahln, um
Die Liebe zu leben von allem Anfang an

Wenn Menschen mehr schulden als das, was sie essen
Dann ist der Entwurf keinen Pfifferling wert
Die Gier wittert Morgenluft, feist und verdorben
In noch einem Bauch und in noch einem Herd

Und stets sucht der Mensch seine Übel zu heilen
Und so wächst sein Wert aus verminderter Qual
Doch das Übel lebt weiter
So mit allen Gespenstern
Solang Sozialisten schieln nach dem Kapital

Wir stehn miteinander auf unserer Kugel
Und suchen den Halt in der Haltlosigkeit
Es fehlt nie an einem, der Preise diktiern kann
Für Licht, für den Frieden, für Stille und Zeit

Für Rechte des andern, bescheidene Achtung
Für Luft, für die Freiheit, für Bäume und Strauch
Und für freundliche Worte
Und für ehrliche Gesten
Für Wasser und Wissen und für die Wahrheit auch

(2000)



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ICH WUSSTE NIE, WAS HATT’ MICH SO ZERSTÖRT
nach Michael Friedman


Die Alten an der Kreuzung sagen:
Geh los! Du bist dein Glücksschmied
Suchst du nach Liebe oder Unterhalt
Doch wer zuviel sucht, wird nichts finden
Nicht dies oder jenes
Und ist nur am Ende einfach alt

Und ging’s mir schlecht, du warst hier
Botst dein Leben an zu teiln mit mir
Und ich wußte nie, was hatt’ mich so zerstört

Und ich bin durch die Welt gezogen
Stets auf der Suche
Und hielt ein Vorspiel schon fürn Meisterstück
Und eine Liebe blieb am Ende
Wund und zerschlagen
Und ich dacht, ich find nie mehr zurück

Und ging’s mir schlecht, du warst hier
Botst dein Leben an zu teiln mit mir
Und ich wußte nie, was hatt’ mich so zerstört

Und jetzt seh ich im Spiegel
Ich lächle so von Ohr zu Ohr
Könnt alle Welt küssen und
Noch selbst jeden Tor

Man kann lachen, vom Blitz getroffen
Und ist noch am Leben
Herz und Geist und Seele unter Strom
Zählt die Zeit und hört den Donner
Das ist das Zeichen
Und das Herz schlägt wie ein Metronom

Und ging’s mir schlecht, du warst hier
Botst dein Leben an zu teiln mit mir
Und ich wußte nie, was hatt’ mich so zerstört

(2007)



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DAS GEDÄCHTNIS
nach León Gieco


Jede große Liebe, die verging
Jedes Wort, das nur zum Schein gegeben
Jede Illusion, die nicht verfing
Jedes aus der Bahn geratne Leben
Alles ist geschrieben ins Gedächtnis
Tagtraum dieses Lebens und Vermächtnis

Jede Schuld und Teilnahmslosigkeit
An den Zweifeln, die im Freitod enden
Jeder Schlußstrich unter jede Zeit
All der Bestien, die ihr Herz verpfänden
Alles ist geschrieben ins Gedächtnis
Tagtraum dieses Lebens und Vermächtnis

Das Gedächtnis ist ein Zorn, der bebt
Für die Völker, die noch schlafen
Und verhindern, daß es lebt
Zwanglos wie die Winde

Die Verschwundnen jeder Diktatur
Die Verscharrten, die man nie mehr findet
Unerhörter Reichtum, der sich nur
So auf unerhörter Armut gründet
Alles ist gespeichert im Gedächtnis
Stachel dieses Lebens und Vermächtnis

Zweimal tausend lebten gut ein Jahr
Von den Rüstungskosten pro Minute
Viele müßten damit selbst sogar
Nicht mehr schwitzen unter einer Knute
Alles ist gespeichert im Gedächtnis
Stachel dieses Lebens und Vermächtnis

Das Gedächtnis ist ein Sturm, der dreht
Für die Völker, die es knebeln
Und verhindern, daß es geht
Zwanglos wie die Winde

All die Hingeschlachteten in Chile
Und die aus der Botschaft in Peru
Waffenliefrung für geheime Ziele
Die Justiz, die sieht und schaut nur zu
Alles ist verborgen im Gedächtnis
Zuflucht dieses Lebens und Vermächtnis

Jahre, da die Kirchenfürsten schwiegen
Fußball in den Stadien voller Blut
Diener Gottes in Guerillakriegen
Glaube, Hoffnung, Liebe und auch Wut
Alles ist verborgen im Gedächtnis
Zuflucht dieses Lebens und Vermächtnis

Das Gedächtnis ist ein Schmerz, der treibt
Für die Völker, die es treten
Und verhindern, daß es bleibt
Zwanglos wie die Winde

Karl und Rosa im Berliner „Eden“
Alle Helden der Sowjetunion
Ein Ministerpräsident in Schweden
Mexicos Studentenrebellion
Alles ist verankert im Gedächtnis
Waffe dieses Lebens und Vermächtnis

Ganze Völker mit zerstörten Seelen
Tote Straßenkinder Bogotas
Vietnam unter Washingtons Befehlen
Abrams Volk, verreckt im deutschen Gas
Alles ist verankert im Gedächtnis
Waffe dieses Lebens und Vermächtnis

Das Gedächtnis ist ein Blei, das wiegt
Für die Völker, die es leugnen
Und verhindern, daß es fliegt
Zwanglos wie die Winde

(2003)



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DAS SCHNELLSTE FLUGZEUG
nach Boris Grebenschikow


Alles ist noch nicht verlorn
Nur das Leben halb entschwunden
Seine Spurn sind ausgelöscht
Ach, wie schnell sich was vergißt
Auch das schnellste Flugzeug holt
Dich nicht ein in allen Stunden
Doch wo sollte ich sonst hin
Ich will dort sein, wo du bist

Es ist dumm, so rumzustehn
Statt sich zärtlich zu umarmen
Für zwei weiße Tauben ist
Dieser Himmel nur ein Hohn
Vielleicht schenkt dein Anblick mir
Doch ein kleines Stück Erbarmen
Ach, ich wär aus dieser Welt
Ohne dich schon längst entflohn

Alles, was ich sonst erhofft
Hat mein Gott mir zugestanden
Doch ich glaub, daß ich den Weg
In den dunklen Wald nicht find
Und daß die Gedanken heut
Nicht die kleinste Ruhe fanden
Heißt, ich könnte dich wohl sehn
Wärn nicht meine Augen blind

Ach, es reicht an bittrem Los
Und mit immer offnen Wunden
Ziellos durch die Zeit zu irrn
Endlos ohne jede Ruh
Auch das schnellste Flugzeug holt
Dich nicht ein in allen Stunden
Fliegst du jemals hier vorbei
Wink ich dir vom Boden zu

(2003)



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KLEINES MÄDCHEN
nach Armen Grigorjan


Kleines Mädchen mit dem Blick von reißenden Tieren
Auch ich hatte einmal nichts mehr zu verlieren
Die Adern geöffnet, die Augen verbogen
Hab schweigend den Rauch eines Joints aufgesogen

Wie friedlich die Kühe zum Weideplatz gehen
Kristallberge funkeln, so schön anzusehen
Wir werden die Grenzen im Kopf ausradieren
Kleines Mädchen mit dem Blick von reißenden Tieren

Jetzt schlaf in den Träumen. Was war, ist vergangen
Das Haus, wo du lebtest, ist leer und verhangen
Und Moos wird die Steine der Grabstelle zieren
Kleines Mädchen mit dem Blick von reißenden Tieren

(2007)



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MACH DAS BETT FÜR ZWEI
nach Jakobos Kambanellis


Der Weg ist nichts als finstre Nacht
Bis ich zu dir gefunden
Ich streck die Hand aus auf Verdacht
Nach dir in allen Stunden

Mach heute Nacht das Bett für zwei
Mach es für dich und auch für mich
Daß die Umarmung unsre sei
Und eine Hoffnung trägt in sich

Ich irr umher am Bettelstab
In den Wirren und Winden
Was ich mit dir erfahren hab
Ist nirgendwo zu finden

Mach heute Nacht das Bett für zwei
Mach es für dich und auch für mich
Daß die Umarmung unsre sei
Und eine Hoffnung trägt in sich

Ich halte dich und du hälst mich
So im Nehmen und Geben
Ich habe mich verlorn an dich
Und an dein ganzes Leben

Mach heute Nacht das Bett für zwei
Mach es für dich und auch für mich
Daß die Umarmung unsre sei
Und eine Hoffnung trägt in sich

(2002)



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WASSERBÄUME
nach Dionisis Karatzas


So viele Monde werden schwinden
Bis Meere sich zurück zur Ordnung finden
Und bis der Fels blitzt im Riß des Herzens auf
Bis deinem Leib die Welln des Meers als Gürtel taugen
Und bis du geben kannst vom Honig deiner Augen
Weit vorm Ziel den Ausgestoßnen

So viele Monde werden schwinden
Bis Töne aus der Nacht zu Liedern finden
Und bis der Grund blitzt im Duft der Worte auf
Bis du verweigern wirst dem Schicksal die Befehle
Und bis du leuchtest als ein Licht vom Rand der Seele
Weit vorm Ziel den Ausgestoßnen

(2002)



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EINE ANDERE STIMME
nach Circe Maia


Leis hinter meiner Stimme
Hör doch, so hör doch
Singt eine andre

Und wie aus weiter Ferne
Aus längst begrabnen Mündern
Singt eine andre

Es heißt, die Toten leben
Hör doch, so hör doch
Ganz deutlich eine Stimme
Ein Mahnen und singen

Mit meiner Stimme
Singt eine andre

Man sagt, sie können sehen
Mit deinen Augen
Es heißt, sie können reden
Mit deinen Worten

Mit meiner Stimme
Singt eine andre

Es sind geträumte Träume
Gelebtes Leben
Es sind gegangne Wege
Die grad beginnen

Mit meiner Stimme
Singt eine andre

(1992)



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VERGEBEN
nach Andrej Makarewitsch


Vergeben, vergeben, solange wir leben
Sie wissen ja nicht, was sie tun
Und einfach nur leben und schicksalsergeben
Schon gegen den Weltschmerz immun
Es gibt auf den Festen das Beste vom Besten
Wir sind längst am Ziel, wie es scheint
Doch mir ist nur kalt in den Zeiten, mein Freund

Lackierte Fassaden und Liebesparaden
Jetzt tanz und stell dich ins Spalier
Geheimpolizisten und Staatsterroristen
Sie haben dich längst im Visier
Granaten krepieren in nahen Quartieren
Dreh dir auf den Schreck einen Joint
Doch mir ist nur kalt in den Zeiten, mein Freund

Armeen unter Waffen, halb Menschen, halb Affen
Im grausigen Spiel des EK
Wie seltsam zu sehen, wie Menschen vergehen
Das Spielzeug der Kindheit jedoch ist noch da
Salut, Generäle, auf eure Befehle
Hin findet sich leicht noch ein Feind
Doch mir ist nur kalt in den Zeiten, mein Freund

Ach, wir kamen von irgendwo unbeschwert
Und wir wurden das, was wir jetzt sind
Und vielleicht war das Leben noch nie viel wert
Doch die Würde war mehr als ein Stint
Du bist stark, du schwimmst weit vor mir her
Und du hörst meinen Schrei schon nicht mehr

Es treibt die Reklame uns hinter die Fahne
Ein Brückenschlag ins Paradies
Glaub jeder Legende, es winkt dir am Ende
Ein Wochenendtrip nach Paris
Verweil nicht, beeil dich, jetzt lächle und styl dich
Im magischen Kreis eingezäunt
Doch mir ist nur kalt in den Zeiten, mein Freund

(2007)




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IM INNERN SCHEINT DAS LICHT
nach Johan Meijer


Sie sagen, du bist anders und meinen: nicht normal
Von deiner Welt umwandelt. Und trifft dich ein Signal
Aus jenen fremden Kreisen, dann weichst du Stück um Stück
Und ziehst dich still und leise ins Schneckenhaus zurück

Du sehnst dich raus ins Freie, dort lauert die Gefahr
Denn du bist nur alleine, für jeden anfechtbar
Im Innern scheint das Licht wie tausend helle Brände
Für dich, für mich, für uns, ich halte deine Hände

Den einen Schritt zu wagen, erlöst dich aus dem Schmerz
Du hast so viel zu sagen, verriegle nicht dein Herz
Was andern leicht gegeben, fällt dir nicht in den Schoß
Jetzt streite für dein Leben, sonst stürzt du rettungslos

Umsonst ist nichts zu haben, das hast du längst erfahrn
Jetzt überspring den Graben, du darfst dir nichts ersparn
Im Innern scheint das Licht wie tausend helle Brände
Für dich, für mich, für uns, ich halte deine Hände

Dein Leben hier auf Erden paßt doch in kein Klischee
Daß Menschen Menschen werden, geh mit den andern, geh
Im Innern scheint das Licht wie tausend helle Brände
Für dich, für mich, für uns, ich halte deine Hände

(2008)




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DER SEIN, DER DICH LIEBTE
nach Pablo Milanés


Ich will wieder der sein, der dich liebte
Nimm mich wieder auf in deinen Schoß
So wie in der Zeit, als die Umarmung
Mehr als nur ein Lied war, chancenlos

Ich will wieder durch die Straßen gehen
Die uns so vertraut warn, irgendwann
Und die Kleinigkeiten wieder sehen
Die allein die Liebe sehen kann

Ich will die Natürlichkeit erwecken
Die dich glücklich fand wie nebenher
Gleichgestimmt den Frühling zu entdecken
Hand in Hand entlangzugehn am Meer

Ich will, was verlorn ist, wiederfinden
Eh der letzte Rest zuschanden geht
Der mich alle Zeit wie einen Blinden
Retten konnte, der vorm Abgrund steht

Ich will wieder der sein, der dich liebte
Nimm mich wieder auf in deinen Schoß
So wie in der Zeit, als die Umarmung
Mehr als nur ein Lied war, folgenlos

(2004)



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ALLERLIEBSTES MENSCHENKIND
nach Oleg Mitjajew


Allerliebstes Menschenkind
Du warst mein für kurze Zeit
Ich rief dich herbei im Schlaf
Bin mit dir erwacht
Auf dem Weg der Farben fand
Ich Alleen im gelben Kleid
In dem ersten Reif hab ich
Dir ein Lied erdacht

Blaue Schatten sah ich
In den Fensterscheiben
Bäume, die verzückt in Blüte stehn
Doch der Herbst vollzog
Sein altgewohntes Treiben
Und kein Wunder war vorherzusehn

Und ich lief in jener Nacht
Durch die menschenleere Stadt
Sammelte die Scherben ein
Auf dem Tagesstrich
Und die Winde spielten sacht
Mit dem Laub. Und Blatt für Blatt
Brachten sie vor meine Tür
Grade so wie dich

Denk doch, wie die Blätter
Auf dem Deckbett schliefen
Müde vor dem nächsten Sturm im Land
Denk doch, ich las dir
Aus ihnen wie aus Briefen
Aus den Adern wie aus einer Hand

Jeder Anfang steuert schon
Fraglos auf ein Ende hin
Eine neue Phantasie
Bringt uns übers Jahr
Immer wieder drängen sich
Melodien in meinen Sinn
Aber keine ist so schön
So wie deine war

(2003)



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DER GEIGER
nach Konstantin Nikolski


Der Geiger hat den Frack zerstreut
An einen Stuhl gehängt
Die Fliege grad zurechtgerückt
Die ihm den Hals einzwängt
Komm doch näher, um zu hören
Seine Töne, seine Lieder
Wenn du noch nicht ganz betrunken bist

Singt Verderben und Vergnügen
Falschheit und Verlaß
Von der Liebe höchstem Stern
Und von tiefstem Haß
Was geschieht und was geschehn ist
Alles, Stück für Stück
Lebt in Tönen der Musik und
Kehrt zu dir zurück

Die Dinge lärmen um dich her
Die Jahre rennen fort
Warum kamst du auf diese Welt
Was hält dich hier am Ort
Und was längst in dir begraben
Alles weckt die Geige wieder
Wenn du noch nicht ganz betrunken bist

Die Geige stöhnt, die Angst macht leicht
Aus jedem Kerl ein Wrack
Der Geiger nimmt erschöpft ein Glas
Und greift nach seinem Frack
Und geht wortlos von der Bühne
Ohne seinen Geigenkasten
Fast, als ob er heut betrunken ist

Doch die Melodie klingt weiter
Töne sanft im Wind
Die im Lärm des Alltags
Kaum zu hören sind

(2003)



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LEICHT VERSCHRAMMT
nach Jaromír Nohavica


Vielleicht bin ich zu alt für revolutionäre Träume
Doch paßt mein dicker Schädel auch nicht in Kapuzensäume
Ich habe keinen Appetit auf vorgekochtes Essen
Ich fühl mich hilflos, hab ich meine Medizin vergessen
Und wie es aussieht, werd ich schwer durchs Nadelöhr gelangen
Ich renne durch den Wald, damit die Wölfe mich nicht fangen
Und daß ich leicht verschrammt nur durch die Zeiten fand
Verdank ich dem Engel, der neben mir stand

Hab Ruß und Asche auf der Jacke wie zwei Schicksalsboten
Und meine ungeschickten Finger knüpfen keine Knoten
Ich laufe immer öfter auf den ausgetretnen Wegen
Und wenn mir doch die Tränen kommen, wehr ich mich dagegen
Ich habe viel gesehn und manches rann mir durch die Hände
Doch abgebrüht werd ich nicht sein bis an mein Lebensende
Und daß ich leicht verschrammt nur durch die Zeiten fand
Verdank ich dem Engel, der neben mir stand

Ich traf auf Hohe Tiere, Lumpen auch in finstren Gassen
Auf diese Erde kam ich nackt und werd sie nackt verlassen
Ich war ein Kind noch, als durch Prag die schweren Panzer fuhren
Und als ich älter wurde, ging die Hoffnung mit den Huren
Doch noch bevor mich Petrus ruft, zur Prüfung aufzusteigen
Will ich mich vor den großen Dichtern dieser Welt verneigen
Und daß ich leicht verschrammt nur durch die Zeiten fand
Verdank ich dem Engel, der neben mir stand

Ich habe Marx-Zitate schon in aller Welt gesehen
Ich kann auch in der Bibel ein paar Sätze gut verstehen
In fremden Ländern stand ich sprachlos vor den Plastiktannen
Den besten Kaffee koch ich selbst in kleinen Kupferkannen
Ich laß mir mit vier Assen in der Hand das Spiel entgehen
Und will noch einmal Hansa gegen Bayern siegen sehen
Und daß ich leicht verschrammt nur durch die Zeiten fand
Verdank ich dem Engel, der neben mir stand

Die Menschen haben doch mitunter ganz verrückte Seiten
Ich aber, Liebe, liebe dich noch immer wie vor Zeiten
Wenn wir die Zwiebeln, Pilze und den Rotwein zelebrieren
Wenn du den Finger hebst wie einen Stab zum Dirigieren
Und droht uns manchmal etwas voneinander fortzutreiben
Nach all dem Schlechten wird zuletzt das Gute übrigbleiben
Und daß ich leicht verschrammt nur durch die Zeiten fand
Verdank ich dem Engel, der neben mir stand

(2008)


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EIN VORSCHLAG
nach Bulat Okudshawa


Nun kommt, zeigt das Gefühl
Einander zu verehren
Die Furcht vorm großen Wort
Kann nicht zu uns gehören

Nun kommt, wir sagen uns
Einander Komplimente
Die Liebe erst beschert
Uns glückliche Momente

Nun kommt, wir wolln ganz frei
Mal traurig sein und weinen
Grad wie es sich ergibt
Zusammen und alleine

Und auf den Klatsch und Tratsch
Da braucht ihr nichts zu geben
Die Liebe muß ja stets
Mit Traurigkeiten leben

Nun kommt, wir werden uns
Mit einem Wort verstehen
Mit alten Fehlern nicht
Noch in die Irre gehen

Nun kommt, mit Nachsicht laßt
Uns so in allem leben
Besonders, weil ja doch
Dies Leben kurz ist – eben

(1984)



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... UND BIETE DIR MEIN HERZ
nach Fito Páez


Sag nicht, es ist alles schon verloren
Ich bin da und biete dir mein Herz
So viel Götter sind umsonst beschworen
Ich bin da und biete dir mein Herz

Nein, es wird nicht einfach, wie ich auch wähle
Es wird nicht so leicht sein, grad wie ich gedacht
Wie ich von der Reise durch deine Seele
Einen Tropfen Liebe mitgebracht

Noch scheint uns der Mond in wachen Nächten
Ich bin da und biete dir mein Herz
Wo sich Traum und Wirklichkeit verflechten
Ich bin da und biete dir mein Herz

Was in dir zerstört ist, füg ich zusammen
Ganz egal wie viel es noch braucht an Geduld
Alles, was ich habe, sollst du bekommen
Und du stehst dafür in keiner Schuld

Wenn dich niemand hört in deinen Sorgen
Ich bin da und biete dir mein Herz
Wenn die Sender schweigen heut und morgen
Ich bin da und biete dir mein Herz

Und ich sing der Hoffnung all meine Lieder
Von den Kleinigkeiten und jedem Begehrn
Diese Welt zu ändern wieder und wieder
Bis die Menschen nur sich selbst gehörn

Sag nicht, es ist alles schon verloren
Ich bin da und biete dir mein Herz

(2004)



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DER STURE
nach Silvio Rodríguez


Damit mein Heiligenbild nicht ganz zu Bruch geht
Und für eine letzte Chance, die sie gewähren
Damit auf dem Berg der Dichter auch mein Spruch steht
Und für einen Platz auf schmutzigen Altären
Sie laden mich ein, mein Leben zu bereuen
Bis ich nicht mehr genau weiß, wie ich heiße
Sie laden mich ein, die Skrupel zu zerstreuen
Sie laden mich ein zu soviel Dreck und Scheiße

Ich weiß nicht, was das ist, ein Schicksal
Was ich bin, bin ich doch durch mich
Gott vielleicht, kann schon sein, ist göttlich
Wie ich lebte, so sterbe ich

Ich will das verlorne Spiel noch einmal wagen
Und eher zur linken Hand sein als zur rechten
Ich will einen Bruderbund in diesen Tagen
Ich will ein Sohnunser beten den Gerechten
Man sagt, meine Flausen sind aus andren Zeiten
Die Menschen sind schlecht und niemals zu bekehren
Ich aber, ich träume noch von Ketzereien
Vielleicht davon, Brot und Fische zu vermehren

Ich weiß nicht, was das ist, ein Schicksal
Was ich bin, bin ich doch durch mich
Gott vielleicht, kann schon sein, ist göttlich
Wie ich lebte, so sterbe ich

Sie sagen, man wird mich über Steine jagen
Sollte die Revolution zuletzt nicht taugen
Sie sagen, man wird mir Mund und Hand zerschlagen
Man wird mir den Schwanz ausreißen und die Augen
Mag sein, diese Sturheit ist mit mir geboren
Die Feinde nicht gegen Freunde auszutauschen
Mag sein, diese Sturheit geht mir nie verloren
Zu leben und sich dabei nicht zu verkaufen

Ich weiß nicht, was das ist, ein Schicksal
Was ich bin, bin ich doch durch mich
Gott vielleicht, kann schon sein, ist göttlich
Wie ich lebte, so sterbe ich

(1994)



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DER KAKTUS
nach Gustavo Santaolalla


Wie ein Kaktus allein
Schlägt mein Herz gegen Stein
Und fleht um die Liebe
Die du mir verwehrst

Aber du hörst nicht hin
Meine Liebe, mein Sinn
Heut kommst du, doch morgen
Vielleicht schon nicht mehr

Und als wäre ich blind
Such ich, aber ich find
Den Schlüssel nicht, der
Deine Liebe aufschließt

(1992)



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SCHNEESTURM
nach Juri Schewtschuk


Kalt vom Mondlicht überdacht
Wie ein Anfang von weither
Eine schon gewonn’ne Schlacht
Wie die Hoffnung tränenschwer
Steht der Schnee wie eine Wand
Hat das Leben zugeweht
Lähmt vorm Ende uns die Hand
Hat die Hähne abgedreht

Spiel wie du kannst, komm, fang an
Laß die Gedanken entfliehn
Tau wieder auf jetzt und dann
Verbeug dich bis zu den Knien
Befrei das Fenster vom Eis
Bewahr den Frühling in dir
Leb und durchbrich jeden Kreis
Du bist für immer in mir

Die Laterne sucht den Grund
Und die Kerze streckt sich aus
Eiskristalle glitzern bunt
Wie gefallnes Licht vorm Haus
Laß den Schneesturm, schenk uns ein
Komm und trink mit mir die Zeit
Laß uns singen, traurig sein
Weil nichts wirklich von uns bleibt

Spiel wie du kannst, komm, fang an
Laß die Gedanken entfliehn
Tau wieder auf jetzt und dann
Verbeug dich bis zu den Knien
Befrei das Fenster vom Eis
Bewahr den Frühling in dir
Leb und durchbrich jeden Kreis
Du bist für immer in mir

Mit Bedacht in all dem Schnee
Mit Kristallen tätowiert
Wo am zugefrornen See
Eine Seele hofft und friert

(2004)



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VERWEIGERUNG
nach Jorgos Seferis


Weiß wie die Möwe war der Strand
Wo wir uns insgeheim gesehn
Der Durst war groß im Mittagsföhn
Und salzig schlug das Meer ans Land

Wir schrieben in den Sand ein Wort
Mit Händen und mit Leidenschaft
Ein schwacher Wind mit sanfter Kraft
Nahm, was wir schrieben, mit sich fort

So viele Träume, so viel Glanz
Und Lebenslust verhundertfacht
Wir nahmen, was wir falsch gemacht
Und änderten das Leben ganz

(2003)



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OHNE DICH AN DER HAND
nach Ismael Serrano


Ich bin müd von den immer und immer sich gleichenden Wegen
Ohne dich an der Hand auf den unheilvoll schwankenden Stegen
Angefüllt ist mein Leben mit traurigen, nüchternen Tagen
Die man gern aus dem Lebenslauf streicht wie verfängliche Fragen

Ich bin müd, durch die Straßen zu irrn, um dich doch nicht zu finden
Jeden Abend nach Bildern zu schaun, die am Morgen entschwinden
Ich bin müd, immer nur dieses Lied der Verzweiflung zu singen
Dir auf deinem Altar immer wieder ein Opfer zu bringen

Komm lieber heut als morgen
Zerlach uns meine Sorgen
Hast du schon nach der Post gesehen
Nicht alles ist verloren
Ich bin für dich geboren
Du kennst den Weg und kannst ihn gehen

In den Zeiten, wo jeder und jede das Liebste betrügen
Kann mir jeden Moment jeder Tag für das Ende genügen
Und mit sinnloser Hoffnung aus alten, vergilbten Geschichten
Frag ich, will nicht ein Gott uns die Städte mit allem vernichten

Doch vielleicht siehst du grad in verloren geglaubten Papieren
Eine Karte, ein Wort, die in deinem Herz vagabundieren
Und du findest vielleicht in den Briefen, die übriggeblieben
Noch den Text eines Liedes, das ich dir vor Zeiten geschrieben

Komm lieber heut als morgen
Zerlach mir unsre Sorgen
Hast du schon nach der Post gesehen
Nicht alles ist verloren
Du bist für mich geboren
Du kennst den Weg und kannst ihn gehen

(2003)



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SCHÖNE STADT
nach Jannis Theodorakis


Du schöne Stadt
Voller Stimmen aus Musik
Mit endlosen Straßen
Und manch verstohlnem Blick

Die purpurrote Sonne
Ungezählter Hände Brauch
Und Berge, Häuserzeiln
Und endlos weite Meere auch

Bevor noch die Nacht anbricht
Wirst du mir gehören
Noch bevor Laternen verstreun ihr kaltes Licht
Wirst du, wirst du mir gehörn

Und als die Nacht kam
Warn alle Fenster blinde Scheiben
Die Straßen wie Wege
Die schon auseinander treiben

(2002)


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DUNKELROT DER ROSENSTRAUCH
nach Mikis Theodorakis


Jeden Tag gingen wir Hand in Hand
Zur Arbeit, die uns rief
Lachten wie Kinder im Linienbus
Während die Stadt noch schlief

Dunkelrot der Rosenstrauch
Dunkelrot der Abend auch

Mitten im Mai schlug der Feind dich tot
Hat mir die Haut gekerbt
Hat mir den Himmel in schwarz getaucht
Und rot die Zeit gefärbt

Dunkelrot der Rosenstrauch
Dunkelrot der Abend auch

Mit deinem Tod ging soviel dahin
Hoffnung und Utopie
Wir sind verwandelt in Schemen und
Leben genau wie sie

Dunkelrot der Rosenstrauch
Dunkelrot der Abend auch

Und unsre Fahnen, die trägt man schon
Als Werbeträger auf
Und unsre Träume seit altersher
Gibt es im Ausverkauf

Dunkelrot der Rosenstrauch
Dunkelrot der Abend auch

(2004)



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NICHT MIT DIR NOCH OHNE DICH
traditionell portugiesisch


Nicht mit dir noch ohne dich
Find ich Trost in all dem Leid
Mit dir heißt: Du tötest mich
Ohne dich sterb ich noch heut

Ich zerbrech, wenn ich dich seh
Und wenn nicht auf gleiche Art
Dein Entferntsein tut mir weh
So wie deine Gegenwart

Ich wär längst schon ausgeschert
Doch die Liebe spricht für dich
Was ist richtig, was verkehrt
Niemand weiß das eigentlich

Der Verstand ist eh verdorrt
Zwischen all dem hin und her
Nur mein Herz glaubt an ein Wort
Doch das kennst du heut nicht mehr

(2003)



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TOMS IMBISS
nach Suzanne Vega


Früh am Morgen. Und ich sitze
In dem Imbiß an der Ecke
und ich warte an der Theke
Daß der Mann den Kaffee eingießt

Füllt die Tasse nur zur Hälfte
Und bevor ich mich beschwere
Sieht er durch das Fenster eine
Frau an, und sie kommt herein

Nett, dich wieder mal zu sehen
Sagt der Mann hinter der Theke
Zu der Frau, die grad hereinkam
Und sie schüttelt ihren Schirm aus

Und ich seh woanders hin, als
Sie sich küssen ein Hallo und
Tu als ob ich sie nicht sehe
Und ich nehme etwas Milch

Und ich sehe in der Zeitung
Die Geschichte eines Künstlers
Der gestorben war beim Trinken
Es war keiner, den ich kannte

Und ich wende mich zum Horoskop
Und suche nach den Witzen
Als ich fühle, irgendjemand
Sieht mich an, heb ich den Kopf

Draußen seh ich eine Frau, die
Schaut herein. Kann sie mich sehen
Nein, sie sieht nicht mich in Wahrheit
Denn sie schaut in einen Spiegel

Ich versuch, nicht zu bemerken
Wie sie ihren Rock hochzieht, und
Während sie die Strümpfe richtet
Werden ihre Haare naß

Diesen Morgen wird der Regen
Nicht mehr aufhörn, und ich höre
Auf die Glocken einer Kirche
Deine Stimme fällt mir ein und

Dieses Picknick mitternachts, es
War einmal, bevor der Regen
Fiel. Ich trink den Rest des Kaffees
Es wird Zeit, gleich geht mein Zug

(1989)



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ANACLARA
nach Daniel Viglietti


An die Wände
Schreibt sie mit dem Stift ein Wort nur: Widerstehn!
Ein Tuch aus rot und schwarz um ihre Schultern
Wunderbare Anaclara

Aus den Tagen
Ihrer Kindheit wächst sie wie ein Blütentraum
Mit Brüsten wie von Rosen ohne Dornen
Wunderschöne Anaclara

Wie ein Wasser
Ist sie, wenn das Kind sich voller Durst verliebt
Und schenkt es ihr die Blume, muß sie weinen
Alle Tränen, Anaclara

Auf der Suche
Um zu suchen, nicht zu finden, weiß sie doch
Das Alte stellt sich selber nicht in Frage
Anarchistin, Anaclara

In den Wunden
Spürt sie manchmal schon die Ängste vor dem Tod
Und schützt die Rosen wieder mit den Dornen
Sanfte, zarte Anaclara

Früh am Morgen
Webt sie Zweifel in die Tücher und sie tritt
Noch nackt, um einen Rat vor ihren Spiegel
Voller Fragen, Anaclara

Hospitäler
Kennen ihre Hände voller Zärtlichkeit
Und Schmerzen, die mit einem Blick vergehen
Wundersame Anaclara

Deine Fragen
Sind der Kompaß und die Karte für den Weg
Bleibe immer
Anaclara, die verrückte Compañera
So verrückt wie freie Vögel in den Bäumen
In den Träumen: Anaclara

(1998)



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TROTZIG
nach Francisco Villa


Der Weg ist ohne jeden Zweifel steinig
Und muß mich immer längs des Abgrunds führen
Doch könnt ich seine Bitternis nicht spüren
Ich wäre mit mir selber nicht mehr einig

Ich geh den Weg der Unvermeidlichkeiten
Mit denen, deren Wunden nicht mehr heilen
Ich geh mit denen, die das Letzte teilen
Und Tag um Tag für Brot und Rosen streiten

Fliegen in den Träumen
Neu die Welt erfinden
Trotzig und mit links
In allen Winden

Mein Schritt ist nicht getan für eine Reise
Mein Schritt ist nur ein weitrer unter vielen
Wie heut in allen Zeiten
In allen Zeiten unter allen Zeichen

Und geh ich meinen Weg in dieser Weise
Dann sicher nicht, um mich als Held zu fühlen
Vielmehr schon um zu leben
Zu leben als ein Gleicher unter Gleichen

Fliegen in den Träumen
Neu die Welt erfinden
Trotzig und mit links
In allen Winden

(2003)



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LYRISCHES LIED
nach Wladimir Wyssozki


Hier zittern die Zweige vom eignen Gewicht
Hier zwitschern die Vögel befangen
Verzauberter Wald, wo du wohnst, man kann nicht
So einfach nach draußen gelangen

Solln Faulbeern doch trocknen wie Wäsche im Wind
Wie Regen mag rieseln der Flieder
Trotz allem, ich hol dich hier raus, liebes Kind
Ins Schloß schönster Blockflötenlieder

Du bist mir von Zaubrern für rund tausend Jahr
Verborgen in kostbarster Zelle
Du glaubst ja schon selbst, nichts sei so wunderbar
Wie diese verwunschene Stelle

Soll morgens kein Tau auf den Blättern mehr sein
Solln Sterne und Himmel sich streiten
Trotz allem, ich hol dich hier raus, Liebste mein
Ins Schloß schönster Gottlosigkeiten

Ich wart auf den Tag und das magische Wort
Die helfen, von hier zu verschwinden
Bis ich dich auf Händen trag an einen Ort
Wo’s keinem gelingt, dich zu finden

Ich würd dich auch stehlen, wenn du es erlaubst
Vergeude sonst noch alles Leben
Uns bleibt eine Hütte aus Laub, wenn du glaubst
Die Schlösser sind lang schon vergeben

(1984)



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SCHLIESS HINTER MIR AB
nach Wiktor Zoj


Sie sagen, es geht nicht, sie dürfen jetzt nichts mehr risskiern
Sie haben seit kurzem ein Haus, und im Haus brennt ein Licht
Ich bin mir nicht sicher, wer hat von uns mehr zu verliern
Auf mich wartet Regen, auf sie schon ihr Lieblingsgericht

Schließ hinter mir ab! Ich gehe fort
Schließ hinter mir ab! Ich gehe fort

Doch falls dir das zärtliche Licht deine Augen verbrennt
Dann reicht auch der Regen für dich auf dem Weg wo wir sind
Dann schau auf die Uhr und dann schau auf das Bild, das dich kennt
Und hör hinterm Fenster genau auf das Lachen im Wind

Schließ hinter mir ab! Ich gehe fort
Schließ hinter mir ab! Ich gehe fort

(2007)



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FRANK VIEHWEG: LIEDERMACHER, TEXTAUTOR, NACHDICHTER
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